Interview mit Herrn Dr. Thomas Rihm, Prozessanwalt in Zürich

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Interview mit Herrn Dr. Thomas Rihm. Herr Rihm ist als beratender und prozessierender Rechtsanwalt tätig und hat langjährige Erfahrung im Bereich des Wirtschaftsrechts und in internationalen Angelegenheiten. Seit 2016 führt er eine eigene Kanzlei mit Standort in den Kantonen Zürich, Zug und Bern.

Herr Rihm, wie lange sind Sie bereits als Anwalt tätig?

Das Anwaltsexamen habe ich 1988 passiert. Nach einem dreijährigen Arbeitsaufenthalt in den Vereinigten Staaten habe ich in der Schweiz praktiziert, zunächst als Mitarbeiter und ab 2000 durchgehend selbständig.

Wo gefällt es Ihnen am besten; in Zürich, Zug oder Bern?

Die grossen Kapitale wie New York und London haben für mich weiterhin eine grosse Anziehungskraft. Ich stamme aus Basel und lebe und arbeite seit 30 Jahren in Zürich. Schweizer Städte sind also Liebe auf den zweiten Blick.

Der Kanton Zug steht bei Ausländern aus verschiedenen Gründen im Fokus, zu Recht?

Der Kanton Zug macht vieles richtig und ist deshalb zu Recht bei Ausländern beliebt.

Was ist die Lex Koller?

Die derzeitige Lex Koller regelt den Erwerb von Immobilien in der Schweiz durch Ausländer. Bis 1997 waren davon auch betriebliche Immobilienerwerbe erfasst. Seither ist nur noch der Residenzerwerb durch Privatpersonen geregelt. Seit Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 können bspw. niederlassungswillige Berufsleute aus der Europäischen Union Wohneigentum mit nur wenig Limitierungen erwerben.

Ich habe eine Gesellschaft im Ausland. Wie kann ich den Sitz der Gesellschaft in die Schweiz verlegen?

Dies ist keine Raketenwissenschaft. Das internationale Gesellschaftsrecht der jeweils involvierten aktuellen und prospektiven Sitzländer enthält dazu meist detaillierte Anleitungen.

Wie kann ich in die Schweiz ziehen und hier arbeiten?

Im Moment gilt im Verhältnis zur Europäischen Union das Freizügigkeitsabkommen. Demnach kann man seit 2002 mit und ohne Arbeitsvertrag in der Schweiz Wohnsitz nehmen, letzteres auch, um eine Stellensuche vor Ort in der Schweiz in Angriff zu nehmen. Darüber wird im Herbst erneut abgestimmt. Man kann nur hoffen, dass der Souverän kühlen Kopf bewahrt und die derzeitige Freizügigkeitsregelung bestätigt. Im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und Asien gilt weiterhin ein Quotensystem. Zu Recht beklagt man hier eine Diskriminierung durch die Festung Europa.

Was ist die Pauschalbesteuerung in der Schweiz?

Es handelt sich um eine Besteuerung für Ausländer nach dem hiesigen prospektiven Lebensaufwand. Diese Beträge sind von verschiedenen Kantonen in den letzten Jahren angehoben worden und belaufen sich im Moment auf zwischen CHF 400’000 und CHF 600’000. Daneben muss ein gewisses Mindestvermögen von rund CHF 10 Mio. hier in der Schweiz nachgewiesen werden. Andere Länder wie das Vereinigte Königreich, Italien oder Malta bieten solche Lösungen ebenfalls mit Erfolg an.

Haben Sie Erfahrung darin, Klienten im Rahmen von Steuerersparnis zu beraten?

Die steuerrechtliche Beratung ist Teil jeder wirtschaftsrechtlichen Beratung. Selbiges gilt natürlich auch bei der Beratung von privater Klientel.

Verhandeln Sie zu diesem Zweck auch mit den Steuerbehörden und unterstützen Ihre Klienten beim Anmeldeverfahren?

Die steuerliche Beratung insb. im Rahmen der Pauschalbesteuerung haben seit 2002, also mit der Einführung der Personenfreizügigkeit, enorm zugenommen. Seither sind die Pauschalbesteuerungen nicht mehr blosse Pensionistenlösungen. Stattdessen siedeln sich dauernd auch Unternehmer aus ganz Europa und den CIS-Region hier in der Schweiz an.

Gibt es in der Schweiz Schenkungs- und Erbschaftssteuern?

Schenkungs- und Erbschaftssteuern werden in praktisch allen Kanton erhoben.

Sie sind Anwalt mit internationaler Erfahrung, unter anderem auch mit langjährigem Berufsaufenthalt in New York, wo Sie einen CPA-Titel erworben haben. Was haben Sie aus diesen Erfahrungen gelernt?

Als Wirtschaftsanwalt ist man letztlich immer für die lokale Expertise gefragt. Internationale Berufserfahrung macht es aber erst möglich, die eigene Beratung in das internationale Umfeld einzubetten. Der mehrjährige Arbeitsaufenthalt im Big Apple war sicher ein prägendes Erlebnis. In einer der führenden Volkswirtschaften der Welt gelebt und gearbeitet zu haben, ist unersetzlich. Trotz aller kultur-kritischen Abgesänge kann man von den Vereinigten Staaten als letzter westlicher Aufbruchsgesellschaft noch immer lernen.

Sind Sie noch als Anwalt im Ausland tätig?

Bei uns führen uns Mandate im internationalen Schiedswesen, in der Rechtshilfe und bei der Beratung von Privatklientel häufig ins Ausland. Das transaktionelle Geschäft ist hingegen grossteilig Schreibtischarbeit geworden. Mehrwöchige Aufenthalte in New York zwecks Finalisierung von Transaktionen finden leider immer weniger statt.

Wo liegen die Unterschiede zwischen der Anwaltstätigkeit in der Schweiz und im Ausland?

Wir sehen eher die vielschichtigen Gemeinsamkeiten in der internationalen Berufsausübung. Die oft gemalten Zerrbilder über die U.S.-amerikanische Anwaltstätigkeit spiegeln in keiner Weise meine Berufserfahrung.

Sie haben vor 4 Jahren Ihre eigene Kanzlei eröffnet. Was war Ihre Motivation dafür, diesen Schritt zu gehen?

Dies war schon immer mein lang gehegter Wunsch. Im Vordergrund stand der Wunsch nach noch grösseren beruflichen und damit auch persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten. Die vorgehenden beruflichen Konstellationen waren von übermässigen Rücksichtnahmen und erheblicher internen Verwaltungsarbeit geprägt. Mein Schritt in die volle Selbständigkeit hätte viel früher erfolgen sollen. Man macht im Leben so manchen Fehler.

Es wird den heutigen Wirtschaftsjuristen fast immer zu einer ausgeprägten Spezialisierung geraten – was ist Ihr Standpunkt?

Man muss differenzieren. Zunächst gibt es einen Grossteil der Anwaltschaft ausserhalb der Zentren, welche landauf und landab in der Sache als sog. Sole Practitioners unterwegs sind. Dort ist eine Spezialisierung als Geschäftsmodell nur schlecht realisierbar. Trotzdem werden dort immer wieder sehr respektable wirtschaftsrechtliche Dienstleistungen erbracht. Die Spezialisierungsdiskussion bei Wirtschaftsjuristen ist also ein ausgesprochen urbanes Thema. Mit Sicherheit ist eine Spezialisierung gut, wenn es in jungen Jahren um eine erste Positionierung im Rechtsmarkt geht. Wie es dann später weiter geht, ist auch ein Stück weit Temperamentssache. Man kann es sich in der Spezialisierungsecke auch bequem einrichten und Ein- oder Zweithemenjurist von hohem Verwendungsbedarf insb. in grossen Kanzleien bleiben. Ob dies auf ein langes Berufsleben hin erfüllend ist, muss einmal offenbleiben. Allgemein ist ja auch bekannt, dass mancher Wirtschaftsjurist sofort zum Spezialisten wird, wenn der Streitbetrag nur gross genug ist. Zudem brechen ja immer wieder juristische Themen ganz oder grossteils weg – wie bspw. das Immigrationsrecht unter dem Freizügigkeitsabkommen 2002 – oder sie unterliegen ausgesprochenen wirtschaftlichen Zyklen, welche dann auch rasche Anpassung erfordern. Der M&A-Anwalt des Jahres 2019 muss im Folgejahr 2020 zum Insolvenzspezialisten mutieren. Dieses Label heisst dann «Distressed M&A»

Auf was sind Sie besonders stolz im Hinblick auf Ihre Kanzlei?

Mit besonderem Stolz erfüllt mich unser Team von jungen angehenden Wirtschaftsjuristen. Man kann ihnen sehr viel aus den 30 Jahren Berufstätigkeit vermitteln. Dass man auch weiterhin ein gefragter Gesprächspartner ist, bedeutet durchaus Genugtuung. Das Kind hört heute auf den Namen Mentoring.

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